Vegane Zigaretten und Tabak ohne Tierversuche: Der ultimative Ratgeber
Auf den ersten Blick scheint die Sache klar zu sein: Tabak und Zigaretten sind vegan und frei von Tierversuchen, denn schließlich handelt es sich um pflanzliche Produkte, die überwiegend aus Tabakblättern bestehen. Doch das ist nicht ganz richtig. Was viele Menschen nämlich nicht wissen: Tabakprodukte sind nicht automatisch und in jedem Fall vegan.
Zum einen können bei der Herstellung tierische Inhaltsstoffe zum Einsatz kommen, zum anderen führen zahlreiche Produzenten entweder selbst Tierversuche durch oder beauftragen sie: beispielsweise für Forschungszwecke oder zur Bewertung von bestimmten Inhaltsstoffen. Wenn Du rauchst und gleichzeitig Wert auf einen möglichst tierleidfreien Lebensstil legst, stellst Du Dir darum sicherlich einige Fragen:
- Welche Zigaretten sind wirklich vegan?
- Gibt es Tabak ohne tierische Zusatzstoffe?
- Welche Marken verzichten auf Tierversuche?
- Worauf sollte ich beim Kauf achten?
In diesem Ratgeber erfährst Du, warum nicht jeder Tabak automatisch vegan ist, welche Inhaltsstoffe problematisch sein können und welche Marken bei veganen Rauchern besonders beliebt sind. Mit diesen Informationen kannst Du eine bewusstere Entscheidung treffen.
Warum sind viele Zigaretten nicht vegan?
Grundsätzlich handelt es sich bei Tabak um eine circa 75 Arten umfassende Pflanzengattung, die zu den Nachtschattengewächsen gehört. Je nach Art sind diese Pflanzen in Südamerika, in Australien und dem Südpazifik sowie in Nordamerika heimisch. Für die Herstellung von Tabakprodukten werden vor allem zwei Arten verwendet:
- Nicotiana tabacum (Virginischer Tabak)
- und Nicotiana rustica (Bauerntabak)
Tabakpflanzen an sich sind vegan. Das gilt aber nicht zwingend für die Zusatzstoffe, die während des Herstellungsprozesses verwendet werden. Ebenso spielt es eine Rolle, ob ein Unternehmen Tierversuche durchführt beziehungsweise unterstützt oder konsequent darauf verzichtet. Nachfolgend erfährst Du mehr über die gängigsten Zusatzstoffe.
Honig
In einigen Tabakmischungen wird Honig als ein natürlicher Aromastoff eingesetzt. So kann er etwa dazu beitragen, den Geschmack abzurunden, die Feuchtigkeit des Tabaks zu regulieren und das Raucherlebnis insgesamt etwas milder wirken zu lassen. Da Honig von Bienen produziert wird, handelt es sich jedoch um einen tierischen Inhaltsstoff. Für Menschen, die sich vegan ernähren und auf Produkte tierischen Ursprungs verzichten möchten, ist Honig deshalb meistens problematisch und ein No-Go.
Besonders schwierig: Die genaue Zusammensetzung vieler Tabakprodukte wird nicht immer vollständig offengelegt. Zwar verwenden nicht alle Hersteller Honig, für Verbraucher ist es aber oft schwierig nachzuvollziehen, ob er oder andere tierische Bestandteile im gewünschten Produkt enthalten sind. Das kann vor allem dann schwierig sein, wenn sich ein Raucher neben der bereits gewohnten, veganen Marke spontan für einen anderen Tabak entscheiden will.
Karmin (E120)
Karmin ist ein roter Farbstoff, der aus weiblichen Cochenilleschildläusen (Dactylopius coccus) gewonnen wird. Um die in den Insekten enthaltene Karminsäure zu extrahieren, werden die Läuse speziell gezüchtet, getrocknet und dann verarbeitet. Da der Farbstoff einen direkten tierischen Ursprung hat und für seine Gewinnung zahllose Insekten verwendet werden, lehnen Veganer Karmin in der Regel grundsätzlich ab.
In der Zutatenliste ist der Stoff üblicherweise unter der Bezeichnung E120 zu finden. Er steckt unter anderem auch in Marmelade und Konfitüre, Süßwaren sowie Fleisch- und Wurstprodukten. Obwohl Karmin in Zigaretten und Tabakprodukten prinzipiell seltener vorkommt als in anderen Konsumgütern, taucht er gelegentlich in der Zusatzliste verschiedener Zigaretten-Hersteller auf. Gut zu wissen: Um 50 Gramm Karmin zu gewinnen, wird ein Kilogramm getrocknete Cochenilleschildläuse gebraucht.
Schellack
Schellack wird ebenfalls aus Schildläusen gewonnen, ist aber etwas völlig anderes. Hier hast Du es mit den Ausscheidungen der Lackschildlaus zu tun. Der Stoff dient in verschiedenen Industriezweigen als Überzugmittel oder Bindestoff. So findest Du ihn zum Beispiel auf manchen Süßwaren wie Dragees oder Schokolinsen, in Medikamentenüberzügen und Nahrungsergänzungsmitteln sowie in Kosmetikprodukten wie Haarsprays und Nagellacken. Ebenso kommt er in bestimmten Lacken und Holzpolituren vor.
Auch im Tabakbereich wird Schellack immer wieder als Hilfsstoff aufgeführt. Tierschützer und Veganer verzichten auf Schellack, auch wenn es sich eigentlich „nur“ um ein Ausscheidungsprodukt handelt. Der Grund: Die Läuse stechen zunächst die Rinde eines Baumes an, um dessen Saft aufzunehmen, und scheiden dann das Harz aus. Dieses umschließt die Zweige komplett. Die verkrusteten Zweige werden danach abgeschnitten und heißen Stocklack.
Aber: Wenn die verkrusteten Zweige (der Stocklack) geerntet werden, befinden sich darauf und in den Harzkokons noch immer zahllose lebende Schildläuse sowie deren Brut. Sie werden beim anschließenden Abschlagen, Waschen und Aufkochen des Harzes lebendig mitgekocht und zerquetscht. Für nur ein Kilogramm Schellack benötigt man rund 300.000 Lackschildläuse.
Tierversuche
Allerdings sollte sich die Bewertung eines Produkts nicht auf die Inhaltsstoffe begrenzen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob ein Unternehmen Tierversuche durchführt, finanziert oder in der Vergangenheit unterstützt hat. Wie Du vielleicht weißt, hatte und hat die Tabakindustrie über Jahrzehnte verschiedene Forschungsprojekte auf ihrer Agenda, und dabei kamen auch immer wieder Tierversuche zum Einsatz.
Zu den Hauptzielen solcher Untersuchungen gehörte die Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen von Tabakrauch und den einzelnen Inhaltsstoffen. Dabei wurden beispielsweise mögliche Zusammenhänge mit Krebs, Lungenerkrankungen oder anderen, potenziell gesundheitlichen Schäden erforscht. Zwar sind Tierversuche in Deutschland im Rahmen der Tabakwaren-Entwicklung inzwischen verboten, in anderen Ländern werden sie aber noch durchgeführt. Diese Produkte sind dann auch bei uns erhältlich.
Zigaretten vegan Liste: Welche Marken sind tierversuchsfrei?
Auch hier gilt: Die Frage nach veganen Zigaretten lässt sich auf den ersten Blick nicht immer eindeutig beantworten. Das liegt daran, dass viele Tabakhersteller keine umfassenden Informationen zu den verwendeten Zusatzstoffen oder zu ihrer Haltung zu Tierversuchen veröffentlichen. Dennoch lassen sich basierend auf den Herstellerangaben, den Stellungnahmen von Tierschutzorganisationen sowie den öffentlich zugänglichen Informationen gute Einschätzungen vornehmen.
In den folgenden Abschnitten nehmen wir für unsere Tabak Tierversuche Liste insbesondere diese Marken unter die Lupe:
- Allure
- Pueblo
- Pepe Zigaretten und Tabak
- Sioux Drehtabak
- Pipers Clubzigarren
- Manitou Tabak und Zigaretten
- American Spirit
- Marlboro
- Winston Zigaretten
Dabei ist aber zu beachten, dass sich die jeweiligen Unternehmensrichtlinien mit der Zeit ändern können und nicht jede Marke ihre Herstellungsverfahren vollständig offenlegt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher regelmäßig die aktuellen Angaben der Hersteller prüfen. Allgemein gilt jedoch der Grundsatz: Eine Zigarette wird nur dann als vollständig vegan angesehen, wenn sie keine tierischen Inhaltsstoffe enthält und der Hersteller auch keine Tierversuche durchführt oder unterstützt.

Ist Pueblo Tabak vegan?
Pueblo steht auf der positiven Tabak Tierversuche Liste weit oben und zählt unter vegan lebenden Rauchern zu den bekanntesten und beliebtesten Tabakmarken. Der Tabak wird vor allem damit beworben, ohne viele der bei herkömmlichen Zigaretten üblichen Zusatzstoffe auszukommen. Deshalb wird Pueblo oft als Alternative für all jene Verbraucher genannt, die Wert auf möglichst natürliche Tabakprodukte legen. Doch stimmt das auch wirklich?
Das sind die Fakten:
- Der Hersteller Pöschl führt laut Tierschutzorganisationen wie PETA keine Tierversuche durch.
- Pueblo besteht zu 100 Prozent aus reinem Tabak, der nur mit Wasser behandelt wird. Es sind keine Parfüms, Feuchthaltemittel oder Aromen enthalten.
- Ebenso werden keine tierischen Stoffe wie Hämoglobin im Filter oder Schellack, Karmin und Bienenwachs in der Verarbeitung verwendet.
- Eine offizielle Vegan-Zertifizierung gibt es jedoch nicht.
- Pueblo ist dennoch eine der wenigen Marken auf dem Markt, die man nach aktuellem Wissensstand als vegan und tierversuchsfrei bezeichnen kann.
American Spirit Tabak Tierversuche
Bei dieser Marke ist der Sachverhalt etwas komplexer. Ist American Spirit tatsächlich veganer Tabak ohne Tierversuche?
- Nach den öffentlich verfügbaren Informationen sind für American-Spirit-Tabakprodukte keine tierischen Inhaltsstoffe bekannt. Aus diesem Grund wird die Marke auch auf zahlreichen veganen Informationsplattformen als vegan eingestuft.
- Eine unabhängige Vegan-Zertifizierung liegt für die Produkte jedoch nicht vor.
- Ursprünglich wurde die Marke von der Santa Fe Natural Tobacco Company entwickelt. Das Unternehmen erklärte schon 2001, keine Tierversuche für seine Produkte mehr durchzuführen. Wegen dieser Aussage wird American Spirit bis heute oft als tierversuchsfreie Marke betrachtet.
- Seit 2015 gehören die Vertriebs- und Markenrechte für den deutschen Markt jedoch zu Japan Tobacco International (JTI).
- American Spirit Tabak Tierversuche: Der Konzern macht keine Angaben dazu, ob die bei uns erhältlichen Zigaretten tierversuchsfrei sind.
Sind Marlboro Zigaretten vegan?
- Marlboro Zigaretten bestehen nach aktuellem Kenntnisstand nicht aus veganem Tabak. Es gibt vom Unternehmen selbst keine Hinweise oder Angaben, dass Philip Morris bei Marlboro auf tierische Bestandteile wie Karmin, Schellack oder Honig verzichtet.
- Ebenso wird der Anbieter nicht von positiven veganen Markenlisten aufgeführt.
- Auch im Hinblick auf Tierversuche gibt es keine Entwarnung, denn Tierschutzorganisationen berichten, dass große Tabakkonzerne weiterhin toxikologische Tests an Tieren durchführen, und unter den aufgeführten Ausnahmen ist Marlboro definitiv nicht zu finden.
- Zudem war die Philip-Morris-Gruppe in der Vergangenheit bereits nachweislich an der Tabakforschung beteiligt, bei der auch Tierversuche durchgeführt wurden.
Winston Zigaretten vegan?
Nein, die Marke Winston gehört nicht zu den veganen Zigaretten. Zwar wirbt die Marke teilweise mit zusatzstofffreien Varianten („Just Tobacco and Water“), jedoch lässt sie sich aus verschiedenen Gründen nicht als vegan oder tierleidfrei einstufen:
- Auf unabhängigen Testplattformen wie CodeCheck wird Winston aufgrund der mangelnden transparenten Herstellerdaten beim Punkt „Vegan“ mit „Keine Einschätzung möglich“ eingestuft.
- Winston gehört wie American Spirit zum internationalen Tabakkonzern Japan Tobacco International (JTI). Meist führen große Tabakkonzerne weltweit und insbesondere außerhalb Deutschlands und der EU nach wie vor Tierversuche durch oder geben diese in Auftrag. Dabei müssen Tiere beispielsweise über Stunden Zigarettenrauch einatmen, um die Toxizität der Produkte zu testen.
- Der Hersteller selbst veröffentlicht keine vollständige Liste aller Inhaltsstoffe, Hilfsstoffe und Produktionsverfahren, die aber für eine eindeutige vegane und tierversuchsfreie Bewertung erforderlich wäre.
Veganer Tabak ohne Tierversuche: Darauf solltest Du beim Kauf achten
Bei vielen Tabakprodukten ist nicht vollständig nachvollziehbar, welche Zusatzstoffe verwendet werden. Deshalb bevorzugen viele vegane Raucher Marken, die auf eine möglichst natürliche Tabakmischung setzen und nach eigenen Angaben nur wenige oder gar keine Zusatzstoffe verwenden. Am besten achtest Du auf die folgenden Kriterien:
- Transparente Herstellerangaben
- Den Verzicht auf kritische Stoffe
- Marken, die in der veganen Community als vegan gelten
- Unternehmen, die sich öffentlich zu Tierversuchen äußern und sich davon distanzieren
Je eindeutiger ein Hersteller über Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse informiert, desto leichter kannst Du beurteilen, ob ein Produkt zu Deiner veganen Lebensweise passt. So ist beispielsweise bekannt, dass Pueblo Tabak auf Tierversuche verzichtet. Wer als Veganer raucht, sollte aber nicht nur allein auf den Tabak achten. Auch andere Bestandteile, die zum Drehen oder Stopfen von Zigaretten verwendet werden, können tierische Inhaltsstoffe enthalten oder von Herstellern stammen, die keine transparenten Angaben zu Tierversuchen machen. Wenn Du möglichst konsequent auf tierische Produkte verzichten möchtest, solltest Du daher das gesamte Rauchzubehör (Papers, Filter) in Deine Kaufentscheidung einbeziehen.
Fazit: Tabak und Zigaretten ohne Tierversuche finden
Wer vegan lebt und raucht, muss wissen, dass Tabakprodukte nicht automatisch vegan sind. Neben möglichen tierischen Zusatzstoffen wie Honig oder Schellack spielt für viele Verbraucher auch die Frage eine Rolle, ob ein Hersteller mit Tierversuchen in Verbindung steht oder seine Produktionsprozesse eindeutig kommuniziert. Gleiches gilt für Drehpapiere, Filter und weiteres Rauchzubehör, das für Veganer frei von tierischen Bestandteilen sein sollte. Die beste Wahl für vegane Raucher sind daher möglichst naturbelassene Tabaksorten von transparenten Herstellern sowie vegane Papers und Filter.
Quellen:
https://www.duunddastier.de/ausgabe/versteckte-laeuse/
https://de.wikipedia.org/wiki/Karmin
https://www.chemie.de/lexikon/Schellack.html
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK222356/
https://www.peta.de/veganleben/zigaretten-vegan/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18464057/
https://www.codecheck.info/p/lebensmittel/kochzutaten-gewuerze/gewuerze/winston-328263.html